Wie sich die Disruption der Friseure durch Barbershops in Würzburg ausspielt
Heute beim Haarschneiden in Würzburg gewesen. Letztens hat mir jemand gesagt, dass Barbershops aus dem Boden schießen und die etablierten Friseure deswegen zugrunde gehen.
Was hier passiert, ist kein „Trend“. Es ist ein Lehrbuchfall.
Clayton Christensen hat das Muster vor 30 Jahren beschrieben: Ein neuer Anbieter kommt mit einem “schlechteren” Produkt in den Markt. Schlechter – aber günstig und schnell genug, dass es für den Großteil der Kunden reicht. 15 Euro, Walk-in, 20 Minuten. Kein Bohei. Vor allem Männer/Jungs schätze ich.
War in Australien dasselbe mit Taxis und Uber.
Auch für mich reicht das. Ich bin da auch ein First Mover (die oft besungenen 15%). Und genau das ist der Kern. Es gibt Nachfrage für dieses Angebot, auch wenn es “schlechter” ist – für mich ist es gut genug.
Was für die etablierten Friseure wohl nicht funktioniert: nach unten verteidigen. Preise senken, schneller arbeiten, Walk-in einführen. Damit zerstört der etablierte Anbieter seine eigene Marge, ohne den neuen Wettbewerber zu schlagen. Der Barber hat strukturell niedrigere Kosten – er kann immer billiger.
Was funktionieren kann: nach oben ausweichen.
→ Klare Spezialisierung (Farbe, Hochzeiten, Männer-Premium, Senioren)
→ Beratungstiefe, die der Barber nicht liefern kann
→ Erlebnis und Atmosphäre, die einen Premiumpreis rechtfertigen.
Die Frage ist tatsächlich, wie groß die Zahlungsbereitschaft der Premiumkunden ist für den Mehrwert, dem man im Premiumsegment anbietet. Konkret: was ist die Preiselastizität der Kunden; sprich, wenn man den Preis verdoppeln würde, würde sich die Anzahl der Kunden halbieren, mehr als halbieren, oder weniger als halbieren? Das zeigt der Graph unten.

Und was die Konsequenzen daraus sind. Konkret:
- muss man sich eine komplett neue Kundengruppe suchen, oder machen genügend der alten Kunden mit?
- wie viele solcher Anbieter erlaubt ein Markt wie Würzburg?
Spannend.
Der Markt teilt sich. In der Mitte stirbt es sich am schnellsten. Wer weder günstigster Anbieter noch klar besser ist, verschwindet. Diejenigen, die das als erstes erkennen hier im Markt und sich bewegen, werden gewinnen.
Das gilt nicht nur für Friseure. Das gilt für jeden Mittelständler, der gerade beobachtet, wie jemand mit weniger Regulierung, weniger Overhead und weniger Anspruch Marktanteil frisst.
Hat jemand China gesagt?
